Don is back – und das im wahrsten Sinne des Wortes. Nachdem ihm die asiatische Unterwelt gehört, sucht er nach neuen Spielplätzen, um sich auszutoben. Dumm nur, dass sich da schon andere große Jungs tummeln, die den Konkurrenten nicht dulden und ihn ausschalten wollen. Nun macht sich Don (Shah Rukh Khan) daran, alle seine Ziele auf einen Schlag umzusetzen, erstens seine Feinde unschädlich zu machen und zweitens seinen Wirkungsbereich auf Europa auszuweiten. Mit Hilfe seines alten Widersachers Vardan (Boman Irani), den er mal eben mit einem spektakulären Coup aus dem malaysischen Gefängnis holt, in das er ihn sechs Jahre zuvor erst gebracht hat, plant er nun, die Euro-Druckplatten aus der Deutschen Zentralbank in Berlin zu stehlen (nun wissen wir auch endlich, wer hinter der Eurokrise steckt…) Auf den Fersen ist ihm dabei Roma (Priyanka Chopra), die nun bei Interpol arbeitet und noch immer alles tun würde, um Don endlich hinter Gittern zu sehen…
Don 2 ist die Fortsetzung von Farhan Akhtars erfolgreichem Remake des Klassikers Don, der im Jahre 2006 in die Kinos kam. Das Negative zuerst, Don 2 ist kein typischer Hindifilm, mit seiner Länge von 144 Minuten fast empörend kurz, wartet er nur mit einer richtiggehenden Tanzsequenz auf und spart auch an den großen Emotionen, die wir doch so lieben am indischen Film. Dieser Actionfilm scheint eher für das westliche Publikum geschaffen zu sein als für das indische, und doch lief er auch dort sehr gut. Vielleicht, weil schon vorher feststand, dass dieser Film anders sein würde. Wenn man sich darauf einstellt, wird man auch nicht enttäuscht aus dem Kino gehen.
Nachdem das geklärt ist, zu den positiven Eindrücken des Films. Sicher gibt es eine Liebesgeschichte in dem Film, auch wenn es eher eine Hassliebe zwischen Don und Roma ist und Ersterer ihre (geleugneten und doch erwiesenen) Gefühle für ihn gnadenlos für seine Zwecke ausnutzt. Beide können einander einfach nicht ad acta legen und auch wenn Don ihre Zwickmühle ausnutzt, kann er bei seinen Handlungen Roma gegenüber seine Gefühle nicht ganz verleugnen, denn sie sind definitiv vorhanden.
Positiv auffallen tun vor allem die rasanten Action- und Stuntszenen des Films, die sich hinter keinem westlichen Film verstecken müssen, den ich kenne. Schnelle Verfolgungsjagden, die wieder einmal jede Menge Schrott produzieren, waghalsige Stunts, allen voran Dons Sprung vom Park Inn Hotel, und fantastisch choreografierte Kampfszenen, in denen auch der deutsche Darsteller Florian Lukas positiv auffällt, machen den Film zu einem Muss für jeden Liebhaber dieses Genres. Ich bin das nicht, habe den Film aber trotzdem sehr unterhaltsam gefunden. Es hilft vielleicht, dass die Gewalt trotz allem nicht in blutigen Orgien verherrlicht wird. Das mag jetzt verwirrend klingen, da Don ja das personifizierte Böse ist, aber in Dons Welt ist alles ein wenig anders. Gut und Böse gibt es hier in dem Sinne nicht, hier geht es darum, wer schneller und raffinierter ist.
Mir hat vor allem gefallen, wie Don einmal wieder alle, aber auch wirklich alle, austrickst und seine Pläne von Anfang an mehrgleisig verfolgt. Der überraschendste Twist wird dann auch erst ganz am Ende aufgeklärt, das war aber auch dringend erforderlich, denn wenn Don das getan hätte, was dem Zuschauer zuerst suggeriert wird, wäre ich wohl vom Glauben abgefallen. Wenn Don seine Gegner im Kampf ausschaltet oder durch Tricks der Polizei ausliefert, ist das okay, sie haben ihm ja zuerst nach dem Leben getrachtet. Zu den ihm loyalen Leuten ist auch er loyal, versucht man aber, ihn zu hintergehen oder gar umzubringen, ist seine Rache vielleicht manchmal zeitversetzt, aber gnadenlos und unabdingbar.
Apropos Verfolgungsjagden, der heimliche Star des Films ist eindeutig Berlin. Farhan setzt diese zumeist via Helikopter in Szene, was für atemberaubende und eindrucksvolle Szenen sorgt. Mit seinem professionellen Schnitt, der rasant inszenierten Handlung und einer gewissen Unbeschwertheit, die mir in heutigen Hollywoodfilmen oft fehlt, braucht sich der Film nicht hinter seinesgleichen zu verstecken. Die Koproduktion dieses Films hat sicher beiden Seiten geholfen, er lässt zum einen Berlin gut aussehen, während Berlin den Film als Kulisse überzeugender macht. Jetzt schauen wir mal, ob wirklich so viele Inder auf den Spuren Dons durch unsere Hauptstadt wandeln werden, ganz sicher suchen sie sich dafür eine etwas angenehmere Jahreszeit als wir und die Berlinale dafür aus.
Nun zum richtigen Star des Films, Shah Rukh Khan, denn der Film steht und fällt mit seiner Präsenz. Wie es schon der Titel am Anfang besagt, Shah Rukh Khan in und als Don. Einmal mehr streift er diese Rolle des coolen und arroganten Drogenbosses so lässig und selbstbewusst und doch mit einer gewissen Prise Selbstironie über, dass man ihn einfach damit identifiziert. Ob nun mit verfilzten Rastalocken und durchgeschwitztem Leinenhemd im Urwald, im knalligen Orange der Gefängniskluft oder im perfekt sitzenden Anzug mit angenehm kurzer Frisur, die Ausstrahlung des Überbösen ist immer die Gleiche. Wenn er dann mitten in der Action mit einem mal zynischen, mal charmanten Grinsen seine typischen Einzeiler mit dieser tiefen Stimme bringt, hat er das Publikum längst wieder in seiner Hand. Und er sieht halt einmal mehr einfach verboten gut aus….
Ach ja, allen, die meinen, Shah Rukh käme nun langsam in die Jahre, möchte ich seine Nahkampfszenen ans Herz legen. Sicher wird es nun für ihn anstrengender sein, diese zu drehen, doch seine Bewegungen sind nach wie vor sehenswert und vor allem sein lässiger, fast raubtierhafter Gang lässt mein Herz jedes Mal schneller schlagen. Was mir auch diesmal wieder auffiel, ist die realistischere Umsetzung seiner Kämpfe, wenn er getroffen wird, tut es beim Zusehen schon weh, im Gegensatz zu den Überhelden üblicher Actionfilme, die kaum mal blutend aus einem Kampf rausgehen.
Nun zu den weiteren Hauptdarstellern des Films. Priyanka Chopra gehört genauso in den Film wie Shah Rukh Khan, ihre Interaktion ist einer der Stützpfeiler der Handlung und lockert den sonst reinen Thriller angenehm auf. Sie hat diesmal wesentlich mehr zu tun und auch ihren gerechten Anteil an Nahkampfszenen. Auch wenn es keine der üblichen Traumsequenzen gibt, sind es die kleinen Szenen zwischen den beiden, die berühren. Ein Blick, eine Geste, ein kleiner verbaler Schlagabtausch (ich sag nur “wuff”), schon ist alles gesagt. Auch wenn man immer weiß, dass Don niemals seine schwarze Haut ablegen und die Seiten wechseln wird, nimmt man es ihm fast ab, wenn er Roma treuherzig anschaut… Können diese Augen lügen, Roma?…

Ähm, ja, sie können…

Boman Irani fällt dieses Mal keine so große Rolle zu wie im ersten Teil, er wirkt eher wie ein Handlanger ohne eigene Intentionen. Selbst Om Puri als Malik hat mehr Präsenz, was ein wenig traurig ist. Als Gegenspieler von Don hätte er ein wenig mehr Raum im Drehbuch bekommen können. Außerdem ist Boman einfach knuffig, egal, wie böse er guckt…
Die deutschen Darsteller sind mir nicht weiter im Gedächtnis geblieben, bis auf wie oben erwähnt Florian Lukas, der mir gut gefallen hat, was neben einem Shah Rukh Khan im selben Frame schon eine Leistung an sich ist. Ich frag mich nur, wer sich die Namen der deutschen Figuren ausgedacht hat, noch mehr Klischees gingen ja gar nicht mehr. Und ein Bettler unter einer S-Bahn Brücke, der englisch spricht? Nun ja, das sind aber vernachlässigbare Logiklöcher…

Mein Fazit, ein Film, der gut unterhält, aber nicht so tief berührt, wie ich es gewohnt bin. Don ist keine Figur, mit der man mitleiden kann. Man kann mit ihm mitfiebern und mitkämpfen, hin und wieder auch mal seinen Blick an ihm laben, aber sich nicht in ihn hineinversetzen. Großes Kino, das in der deutschen Version auch eine reelle Chance auf dem deutschen Markt haben sollte, doch nun möchte ich gerne wieder echte Hindifilme von SRK sehen, denn sie sind der Grund, warum ich mich diesen Filmen zugewandt habe. Mir reichen die Hollywoodfilme aus Hollywood, ich brauch sie nicht auch noch aus Bollywood.

Ich hatte das Glück, Don 2 und Shah Rukh Khan im Friedrichstadtpalast erleben zu dürfen, nachdem Shah Rukh es ganz in Don Manier sehr spannend gemacht hat. Lange war nicht abzusehen, ob er es überhaupt schaffen würde. Und genau genommen war es in seinem gesundheitlichen Zustand höchst fahrlässig, für ein paar Stunden diese Strecke zu fliegen. Ich freue mich jedoch für alle, die bei – 15° stundenlang am roten Teppich ausgeharrt haben, dass er sich dann so viel Zeit für sie nehmen konnte, um dann nach Filmende uns im Kino mit einem Auftritt aus dem Steggreif zu beglücken. Vor dem Film sind Priyanka, Farhan und Ritesh vor uns durch die Reihen gegangen, um sich kurz ins Publikum zu setzen, so dass ich auch sie mal aus der Nähe sehen konnte. Da konnte ich vor allem Farhan mit seinem Bart kaum aus den Augen lassen, ich mag den Mann auch als Schauspieler sehr gerne.
Alles in allem eine wunderbare Woche, die ich mit Didis verbringen durfte, die ich seit der letzten Berlinale oder auch länger als meine Freunde betrachte. Mein Dank an sie und an Shah Rukh Khan…